Liebe und (Ver)lust

Liebe kommt und Liebe geht. Manchmal kann man ihr dabei zusehen, wie sie klammheimlich weicht und viele Fragezeichen und Unsicherheiten hinterlässt. Manchmal geht es kurz und schmerzlos, weil sie nicht so groß war wie sie anfänglich schien. Und manchmal muss man es rausschreien, aus dem Affekt, um danach zu registrieren, dass man es selbst bis dato nicht wusste. Was bleibt ist ein Loch und weit und breit nichts zu finden, womit man es stopfen könnte. Manche sagen dazu Leere. Ich nenne es Abgrund.

So geht es einem lieben Freund. So ging es mir und so geht es uns allen früher oder später, wenigstens einmal im Leben. Man trägt eine Beziehung zu Grabe, betrauert den Verlust der Liebe, der Gemeinsamkeit, der geführten Kämpfe und der Vereinigung. Was bleibt sind tiefe Augenringe, eine rauhe Kehle und wirre Gedanken. Das eine ist sicher. Der Kampf ist vorbei, das Schlachtfeld geräumt und gewonnen hat doch keiner. Nun ist man alleine.

Wann geht die Liebe? Und wohin? Können wir sie dort wieder abholen, nachdem sie sich von der Belastung ein wenig am Strand erholt hat, braungebrannt und pfeifend aus dem Flieger steigt, um neue Herausfoderung zu überdauern? Dann brauchten wir nur Geduld und warme Gedanken, um die Zeit bis zu ihrer Rückkehr zu überbrücken. Vielleicht ist es einfach nur der Mangel an Lust, der die Liebe klein hält. Ein Zwischenspiel sozusagen. So wie ein jeder Anfang völlig berauschend ist, die paar Quadtratzentimeter Bett über Wochen den einzig sinnvollen Lebensraum für zwei Menschen darstellen, als gäbe es kein Morgen, so ist das Ende rückblickend ebenso bezeichnend. Plötzlich macht es Sinn. Seit Monaten lümmelt man nebeneinader auf dem Sofa, in der bequemen, leicht löchrigen Jogginghose, teilt sich grunzend eine Packung Chips und knippst nach der Lieblingsdoku  zeitgleich das Nachttischlämpchen aus und dem obligatorischen Gute-Nacht-Kuss folgt das Schnarchduett. Die zentimeterhohe Staubschicht auf der Kondompackung daneben ignoriert man gekonnt. Wird schon wieder. War ja auch Winter. Klarer Fall von Selbstbetrug. In diesem Fall ist wohl die Lust in den Urlaub geflogen, schaut sich heiße Bikini-Chicks am Strand an, lässt sich einen Pina Colada nach dem anderen rein und schwingt zu heißen kubanischen Rhythmen ihre Hüften.

Es gibt für den Fall mal wieder mehrere Möglichkeiten. Die erste wäre solange zu warten bis man der Hausstauballergie erliegt und beim Blick auf das Kondompäckchen kläglich erstickt. Dann hat sich das Problem von alleine gelöst, man musste sich dafür weder mit dem Partner auseinandersetzen noch der Trottel sein, der das Wort Trennung ausspricht. Oder aber, man erhebt sich aus der Sofakuhle, wirft die ausgelutschte Jogginghose in den Müll und flirtet zur Abwechslung mal wieder mit seinem Partner, statt mit der vollbusigen Bedienung, die auch beim zwölften Bier noch lächelt und nicht diskutiert, dass man zuviel säuft. Falls das jetzt nach dem Patentrezept und dem Rettungsanker jeglicher Probleme klingt, naja, da muss ich passen. Aber es wäre mit Sicherheit ein guter Anfang das Ende doch noch abzuwenden, wenn man es denn rechtzeitig merkt. Denn im schlimmsten Fall, so wie mir scheint, steigt die Liebe früher oder später in den selben Flieger wie die Lust und was uns bleibt ist die Leere oder der Abgrund aber in jedem Fall ein Verlust für den wir eigens verantwortlich sind.

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