Selbstversuche

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Ich weiß – Geduld ist eine Tugend. Sagt Mama. Man fängt Sätze aber auch nicht mit ich an. Auch das weiß ich. Genauso wenig sollte man von sich auf andere schließen. Die Weisheiten des Lebens. Manchmal halte ich sie für sinnvoll und angemessen, ein anderes Mal wiederum für veraltete Bremsklötze im persönlichen Vorankommen. Was ist wirklich gewinnbringend und was völlig verwerflich und unangebracht?

Also gehe ich von mir aus… habe ich erwähnt, dass ich Menschen die Sätze nicht vollenden unendlich nervtötend finde. Würde ich niemals tun. Lieber sage ich zu viel als zu wenig. Mit dem Wissen, dass Zurückrudern im schlimmsten Fall wahnsinnig anstrengend und fast unmöglich ist. Man riskiert ja sonst nichts. Und das Ende vom Lied: Keiner hat wirklich Lust auf die Wahrheit und vollendete Sätze, die keinen Freiraum für eine ichbezogene Auslegung lassen. Oder aber, sie drängen einen zur Fehlinterpretation, weil man bisherige Erfahrungen an einer Aussage misst oder die Goldwaage zu Rate zieht. Sind wir wieder beim Einfluss der persönlichen Erwartungshaltung. Wo stehe ich, wer bin ich und wo will ich hin?

Das bringt mich zu dem Schluss, dass ich immer und jederzeit personenbezogen handeln sollte. Ich lese mir also die Biografie eines jeden Mitmenschen durch, studiere sein Leben, um daraufhin zu wissen, ob ich, mit meinem Wesen, der Ehrlichkeit und Direktheit, durchfalle oder überzeuge. Nächstes Dilemma. Mein Bücherregal ist groß. Dennoch fasst es weder Facebooklebensläufe à la ‚Malle ist nur einmal im Jahr‘, noch kleinkalibrige Whatsappnachrichten, deren Sätze mit drei Punkten enden. Ich tappe im Dunklen. Zumindest was die Erfahrung und Erwartungshaltung des Anderen betrifft. Wir begeben uns barfuss in vermintes Gebiet, ohne Vorkenntnisse und ohne Zensur. Denn das Gegenüber, das wir gerne besser kennenlernen würden, ist weder ehemaliger Bundeskanzler noch Dieter Bohlen. Gott sei Dank.

Vielleicht habt ihr es erahnt. Es ist die natürliche Neugierde hinter den Vorhang zu blicken.

Wir gehen also mit unserem Unwissen auf Risiko. Weil wir wagen. Nur so können wir gewinnen. Sagt Papa. Vorallem dann, wenn Klischees hinten anstehen müssen, weil es die Frau ist, die wagt. Und manchmal ist die Frau selbst – mit ihrem Versuch.

Entgegengesetzt aller konservativer und gesellschaftskritischer Ansichten, jener realitätsfernen Einstellung, dass die Frau in duckmäuserischer Haltung darauf warten müsse, vom Mann auserwählt zu werden.

Ich glaube, dass Geduld in jedem Fall eine wertvolle Tugend ist. Ob wir niederstürmen oder niedergestürmt werden, ist hier vielleicht nur eine Frage der Generation.

Deshalb lehrt Mama Geduld und Papa mutiges Voranschreiten. Und weil wir nicht von gestern sind, sind wir bemüht geduldig zu wagen.

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