Lied des Lebens

2015-10-14 14.13.04Das Ladenglöckchen klingelt, die Türe knarzt, es riecht nach frisch gepflückten Wiesenblumen und ein klein wenig nach Keksen. Es ist mal wieder an der Zeit mich in meinen imaginären, kuscheligen Nachdenkladen zu verkrümeln und das Stimmengewirr im Kopf zu entknoten. Und was dabei rauskommt ist ein schöner Song, in Reih‘ und Glied, das Lied des Lebens.

Bleiben wir bei den Stimmen. So einfach ist die Arbeit ja nicht getan, bedenkt man mal, wielange der ein oder andere musisch veranlagte Mensch an einer Oper rumkomponiert hat. Es ist ja nicht der Fall, dass es an Ideen, Vorschlägen, Einflüssen oder gar Meinungen mangelt. Es gilt sie nur genau herauszuhören und zu sortieren. Wie startet man mit einer solch komplexen Komposition? Einfach mal nach Gefühl oder doch lieber klar strukturiert mit Plan und Vorlage. Vielleicht ist es auch mehr das Drumrum, das Gedanken beflügelt und das Denken erleichtert. Also setzen wir uns bequem, legen uns je nach persönlichem Lüstchen die Onion & SourCream Chips oder eben Gummibärchen zurecht und so ein Fläschchen Wein hat auch noch keinem geschadet. Leeres Blatt Papier, gespitzter Bleistift, Kerzenlicht – puh, ist das pathetisch. Aber so macht man das doch, oder? Naja, muss ja keiner wissen.

Jetzt ist da Raum und Platz für kreative Ergüsse, Stimmenentwirrungstechniken und allerlei Pläne – das ist dann wohl brainstorming. Fühlt sich zumindest so an. Ihr seht schon, mit „einfach nach Gefühl“ hat das nichts zu tun, wo kämen sonst die Kopfschmerzen her. Gut, der Rotwein tut das Seine, aber seien wir ehrlich, wann kamen uns schon die wirklich guten Ideen? In vinum veritas – das wussten schon andere vor uns.

Den Brainstorm auf’s Blatt gebracht ist man einen Schritt weiter aber eben noch lange nicht am Ziel. Was ist denn eigentlich das Ziel? Ja klar, guter Song, eingängig, groovt auch, dicker Beat aber was erzählt er und wie? Eher poppig oder rockig, angehaucht von Folkloreklängen oder doch lieber smoothe Reggae-Rythmen. Bisschen Hip Hop vielleicht. Der Fokus liegt vorerst auf dem Inhalt. Klarer Fall. Klassische Variante, zwei lernen sich kennen, bääm Herzklopfen, keiner kommt mehr klar im Leben, überall Gefühle und Herzchen, ihr wisst was ich meine. Dann der Einbruch – dunkle Wolken türmen sich am Himmel der Verliebten und verhängen die bekifft grinsende Sonne, die dem jungen Glück geschienen hat, so ein shit, keiner kommt mehr klar im Leben, Hürden die unüberwindbar scheinen. Dann das Finale – heiße Bahama-Chics wedeln mit ihren bambusröckchenbehängten Hüften, klatschen im Takt der klopfenden Herzen, die am Ende doch zueinander gefunden haben, motherfucker. Wahre Liebe hat gesiegt, trotz aller vorherrschender Probleme und einhergehender Ängste. Stimmen entwirrt – Lied fertig. Genre – egal.

Und dann hört man wieder leise das Glöckchen klingeln. Die Türe schließt sich hinter uns und wir tauchen auf aus der zeitlosen Gedankenwelt. Tatsächlich ist es der Wecker. Schwer erheben wir uns aus der Waagrechten, um senkrecht in die Realität zu starten, summen dabei leise unser Lied. Ich vermag nicht zu sagen wie es tatsächlich enden wird, in jedem Fall ist es voller Liebe, voller Hoffnung und voller Leben.

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